Wie fängst du an, einen Kilt zu tragen?
Die Antwort sollte sein: Die Tür aufmachen und hinausgehen. Aber für viele Männer ist es gar nicht so einfach. Wenn ein Mann sich eine Tätowierung wünscht, bekommt er sie. Will er lange Haare haben, dann lässt er sie wachsen. Möchte er in die Zunge, in die Nase oder sonst wo ein Piercing, bekommt er eines gemacht.
Möchte er aber einen Kilt tragen, der ausnahmslos für männlich gehalten wird, dann wagt er es in vielen Fällen nicht, weil er mit einem Rock eine schwache Ähnlichkeit hat, oder bloß weil er anders und außergewöhnlich ist.
Lächerlich, nicht wahr, dass Männer wirklich nicht mehr Mut haben?
Hoffentlich hast DU den Mut dazu. Falls nicht, weiterlesen, denn was meinen eigentlich „die anderen“, für die und deren Reaktionen, du Angst hast?
Dritte – Personen, die du nicht kennst.
Die allermeisten Männer erleben, dass es in Bezug auf Fremde total problemlos ist, einen Kilt zu tragen. Du bist ihnen nicht so wichtig, wie du dir es vielleicht vorstellst, und wie DU gekleidet bist, ist ihnen egal. Es können Kommentare vorkommen, aber die meisten sind überaus positiv. Negative Bemerkungen, falls überhaupt, wirst du fast nur von Personen hören, die nur einen begrenzten Wortschatz besitzen.
Wie mit Schotten?
Es gibt die, die meinen, dass ein Kilt nur von Schotten getragen werden darf. Sie meinen oft auch, dass ein Kilt nur bei feierlichen Anlässen und nur in Schottland zu tragen ist. Und dass auch jede Regel befolgt werden muss. Sie gehören aber einer absoluten Minderheit an. Die meisten Schotten haben es gern, wenn man ihre Produkte kauft und verwendet. Viele leben davon, und je mehr sie sich verkaufen, desto besser.
Nur sollte man natürlich respektieren, dass für einige der Kilt ein Teil einer Tracht ist. Deshalb ihn nie in einer lächerlichen oder komischen Weise tragen.
Glauben andere Leute, dass du Schotte bist, wenn du einen Kilt trägst?
Nein und vielleicht doch. Es hängt zweifellos davon ab, wo du lebst.
In den skandinavischen Ländern wirst du immer auf die nationalen Sprachen angesprochen. Das heißt, du wirst einfach für einen Mann im Schottenrock gehalten. In Deutschland und Holland ist meistens dasselbe der Fall, wie meine Erfahrung zeigt.
Wird man gefragt, ob man schottisch ist, kann die Antwort lauten: „Nein, ich liebe einfach Abwechslung, und dazu eignet sich ein Kilt hervorragend.“
Wenn man aber nach Südeuropa kommt, ist es eher wahrscheinlich, dass man irgendeine schottische Verbindung erwartet. Kein Problem doch, denn in jedem Mann könnte wohl irgendwie ein kleiner Schotte stecken. Wenn gefragt, könnte meine Antwort sein: „Ja, es ist aber so viele Generationen her, dass es mir keine Rolle spielt. Ich liebe es einfach, einen Kilt zu tragen.
Also nie versuchen, schottisch zu spielen und deshalb auch nie mit Zubehör wie Schottenmütze usw. übertreiben. Als Nicht-Schotte trägst du den Kilt nicht als Tracht oder Uniform, sondern als Ersatz für Shorts, Jeans oder, wenn es hochkommt, für den Anzug. Das heißt, du trägst dein Kilt als Rock, als Männerrock.
Dein eigenes Umfeld
Für Leute, mit denen du eine persönliche Beziehung hast, ist es nicht gleichgültig, wie du aussiehst, aber ein Kilt ist selten das große Problem. Er ist anders, außergewöhnlich, aber doch männlich. Es ist die Erfahrung der meisten Kilt-Träger, dass sich Familie und Nachbarn etc. sehr schnell daran gewöhnen und es akzeptieren.
Deine Frau oder Freundin kann sehr wohl die Person sein, der es am wenigsten gefällt. Der Grund ist meistens nicht, dass du ihr im Kilt nicht gefällst, sondern dass sie davor Angst hat, dein Kilt-Tragen könnte Probleme bringen. Laut der früher erwähnten YouGov-Analyse meinen zum Beispiel 91 % aller schottischen Frauen, dass ein Mann im Kilt gut aussieht, wobei „nur“ 67 % der schottischen Männer diesen Gesichtspunkt teilen. Es gibt auch Männer, die einen Kilt tragen, weil ihre Frau sie dazu aufgefordert hat. Ich habe sogar von einem Mann gelesen, bei dem es zu einer Trennung kam, weil er sich nicht von seiner Frau überreden ließ, einen Kilt zu tragen, und erst, als es zu spät war, die Vorteile des Kilts erkannte. Es ist kaum zu glauben, dass das das einzige Problem gewesen ist, das es in diesem Verhältnis gegeben hat. Ja, wohl nicht mal die größte. Das aber war seine Erklärung.
Ich weiß aber auch von einem Fall, in dem eine Frau ihrem Mann verbot, einen Kilt zu tragen, und der den, den er sich gekauft hatte, loswerden musste. Doch in den meisten Ehen wird der Kilt am Mann akzeptiert, wenn erst die Frau erkennt, dass er keine Probleme erbringt.
Wie fängst du an?
Solltest du denen, die du kennst, sagen, dass du angefangen hast, einen Kilt zu tragen oder dass du es tun wirst? Das ist sehr individuell. Ob man es zuvor sagen sollte, könnte oft nicht die beste Lösung sein, denn der Gegenpart könnte versuchen, dich zu überzeugen, dass es eine schlechte
Idee wäre, und dann könnte es dir schwieriger sein, mit den Gedanken weiterzugehen.
Sehr oft ist es leichter, vergeben zu werden als Erlaubnis zu erhalten.
Aber hast du erst den Kilt, solltest du auf keinen Fall versuchen, es geheim zu halten, zum Beispiel indem du nur im Dunkeln oder in fremden Städten im Kilt unterwegs bist. Ein Verbrechen ist es ja sowieso nicht.
Natürlich kannst du es auch Schritt für Schritt machen. Leute, die dich kennen und dich im Kilt sehen, werden dich dann fragen, und du musst Antwort geben, warum, ob nun weil bequem, vielseitig, anders, oder dass du ganz einfach den Kilt toll findest, und wie du auf die Ideegekommen bist.
Übrigens, seit es Facebook, Instagram und zum Teil Pinterest gibt, ist es einfacher als nie zuvor. In deinem Profil gibst du unter Interessen und Aktivitäten Kilt und Kilt-Tragen an. Auch kannst du darüber schreiben, wenn du deinen Kilt und das Zubehör erhalten hast, wo du im Kilt gewesen bist, und über die (positiven) Reaktionen anderer. Und es natürlich mit einem Selfie dokumentieren. Es ist klar, dass du keine 100-prozentige Deckung erreichst, aber viele von deinen Freunden werden es dann in einer Split-Sekunde wissen.
Dabei nie vergessen: Ein echter Kilt ist nur für Männer. So ist es mit Hosen und Shorts nicht.
Ein Kilt ist anders, aber unverkennbar männlich, und du wirst nie für einen Transvestiten oder Crossdresser gehalten. Die Wenigsten sollten sich deswegen Gedanken über deine sexuelle Orientierung machen. Einige werden meinen, du bist wohl ein bisschen exzentrisch, aber das wäre auch alles. Nie solltest du dein Kilt-Tragen „entschuldigen“. Es ist dein Entschluss gewesen. Für dich war es richtig. Ein Lebensstil, sozusagen.
So kannst doch auch du die Freiheit im Kilt erleben. 5-Yard-Kilt in Schurwolle, maßgeschneidert in Schottland. Farquharson Tartan.
Würden nur mehr Männer - und ihre Frauen - glauben, die Welt sei bloß halb so tolerant, wie sie wirklich ist, würden Männer im Kilt keine Seltenheit mehr sein.